Häusliche Intensivpflege am Pranger!

Häusliche Intensivpflege am Pranger!Sendung FAKT – vom 15.08.2011 –Beatmungspatienten: Wenn Pflege zum Risiko wird!

Hallo liebe Leserin, hallo lieber Leser,

zuerst einmal – wieso sind wir Pflegedienste eigentlich wieder mal die Bösen?? …und interpretieren Sie diese Frage bitte nicht als “aha – getroffene Hund bellen” oder so etwas. Ja ich gebe zu – ich ärgere mich über diesen Beitrag von Fakt am Montagabend. Ich ärgere mich sogar richtig heftig. Da investiert man jährlich richtig viel Kohle in die Fortbildung seiner Mitarbeiter, führt ein Qualitätsmanagement ein, sorgt für einen TÜV – Stempel (Qualitäts – Zertifikat) und ist froh und dankbar zwei kleine Intensiv-WG betreuen zu dürfen und dann sowas:

  • Betrunkene Pflegekraft in Intensiv WG betreut fünf Beatmungspatienten ?
  • 29 Bewohner in einer Beatmungs WG??
  • 14 Beatmete auf einem Bereich?
  •  Abzocke – 20.000,00 EUR monatlich pro Patient?
  • Ex-Pflegeleiterin einer Beatmungs WG war mit sechs Beatmungspatienten nachts alleine auf zwei Ebenen?
  • Keine Fachpflegekräfte in Beatmungs – WG. Nur Crash – Kurs, sprich keinen blassen Schimmer von Beatmungspflege?

Fehlen jetzt nur noch die Headlines von Bild & Co: “Horror WG für Intensivpatienten – Geldmaschine für die Pflegemafia” – und das Ansehen von uns Intensivpflegediensten in der Öffentlichkeit ist mal wieder “perfekt”.

Ja – wo bitteschön gibt’s es denn das??

Wo existieren denn solche Läden? Nennt doch mal bitteschön Ross und Reiter! Es ist doch überhaupt keine Frage, dass sowas nicht geht. Solche “Einrichtungen” gehören geschlossen und an den Pranger gestellt. Zulassung entzogen, wegen mir ab in den Knast – Schluss – Aus – Fertig!

Wenigstens durfte Kollege Jaschke noch etwas dazu sagen und ich unterstütze die Forderung nach bundesweit verbindlichen Qualitätsstandards für Intensivpflegedienste. Allerdings schäme ich mich nicht als deutsches Unternehmen in diesem Bereich arbeiten zu dürfen.

Was mich weiter ärgert:

Zitat – Fakt: “Private Pflege – Dienstleister mieten zur Betreuung von Beatmungspatienten private Mietwohnungen an. Dieser Mietraum wird dann an die Beatmungspatienten untervermietet. Diese sogenannten Betreuungswohngemeinschaften fallen aufgrund der meist geringen Zahl an Patienten nicht unter das deutsche Heimgesetz oder eine der erlassenen Landesregelungen. “

Hey Fakt  – mir ist keine heimgesetzliche Regelung bekannt in der ein Pflegeanbieter zugleich Vermieter einer Patienten – WG sein darf. Ist dies der Fall, kommt in der Regel das Heimgesetz zur Geltung und die Einrichtung fällt unter die Aufsicht der Heimbehörde. Das hat mit einer geringen Zahl an Patienten nichts zu tun. Wobei ich 29 Bewohner auch nicht unbedingt als geringe Zahl sehen würde.

Zitat – Fakt: “Die Betreuungswohngemeinschaften müssen damit nicht den Standards genügen, unter die ein reguläres Pflegeheim fällt. Hier gelten nur die Standards für die häusliche Krankenpflege”

Hey Fakt  - sind euch eigentlich diese “nur die Standards” für die häusliche Krankenpflege bekannt? Wie Pflegeheime wird jeder ambulante Pflegedienst einmal im Jahr vom MDK überprüft. Bei festgestellten Mängeln sogar öfter und unangemeldet!  Die vorgegebenen Qualitätsrichtlinien für ambulante und stationäre Einrichtungen sind streng und hoch angesetzt. Ambulant oder stationär – egal – werden diese nicht erfüllt, droht die Schließung und Entzug der Versorgungsverträge.

Zitat – Fakt: “Durch dieses Organisationsmodell spart der private Pflegedienst erhebliche Kosten. Die gesparten Aufwendungen fließen als Gewinn in die Kasse des Pflegedienstes.”

Hey Fakt  -  da haben wir’s doch. Sind halt Abzocker diese Pflegedienste – gelle? Liebe Leute was soll denn das? Ich will hier jetzt keine Modellrechnung aufmachen. Wen das interessiert, möge sich die drei Beiträge zum Thema “Heimbeatmung und ambulante Intensivpflege – wer bezahlt’s?” zu Gemüte führen.

Gute Patienten – Wohngemeinschaften erzeugen Synergieeffekte. Pflege – Hilfsmittel können von mehreren Personen benutz werden. Personalressourcen werden besser genutzt, das Verhältnis Pflegekraft zu Patient senkt sich beispielsweise in einer WG mit 3 oder 4 Patienten von 1 zu 1 (wie in der Einzelbetreuung) auf z. B. 0,75 bzw. 0,8 zu 1. Die Pflegesätze werden somit günstiger. Kostenträger und Patienten profitieren hierdurch ohne Einbußen der Versorgungsqualität.

Hierzu aber noch Folgendes: Selbstverständlich muss in der Pflege – wie in jeder Branche auch – Geld verdient werden. Pflegedienste sind keine Samariter – Vereine! Wir sind Unternehmen im klassischen Sinne. Wir müssen Gewinne machen um Rücklagen zu bilden, die wir in Ausbildung, sichere Jobs und Qualitätssicherung investieren. Wir bieten gute Arbeit und wollen hierfür natürlich auch angemessen bezahlt werden. Deshalb mutiert man aber doch nicht zum raffgierigen Abzocker. Geld verdienen ist einer der Leistungsmotive unserer  Gesellschaft und daran ist bei Gott nichts Schlechtes. Dafür muss sich auch niemand rechtfertigen zu müssen.

…und was lernen wir daraus? Ich will hier jetzt nicht großartig rummaulen von wegen Sensationsjournalismus und so weiter. Sonst kommt mir doch noch jemand mit dieser “getroffene Hunde…” Geschichte und dem ist definitiv nicht so.

Gute und ernst zu nehmende Pflegedienste unserer Branche (der häuslichen – oder auch außerklinischen Intensivpflege) arbeiten seit Jahren an qualitätssichernden Maßnahmen, verbindlichen Standards wie z.B. die

Arbeitskreise für Intensivpflegedienste erarbeiten in Netzwerken und Berufsverbänden wie z.B. dem bpa (Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V.) Anforderungsprofile und Standards wie zum  Beispiel:

Jetzt alles auf die Politik zu schieben ist meiner Meinung zu einfach. Über kurz oder lang werden wir rechtsverbindliche Qualitätsstandards bekommen.

Aber  – warten wir nicht darauf!

Gehen wir mit gutem Beispiel voran!

Machen wir deutlich, wie wir arbeiten!

Zeigen wir öffentlich, was verantwortungsvolle und hochqualifizierte Versorgung von schwerstbehinderten Menschen bedeutet und wie es funktioniert!

Treten wir diesen Nestbeschmutzern und schwarzen Schafen (die es leider nun mal in jeder Branche gibt) einfach in den Allerwertesten und zeigen ihnen die rote Karte!

Zum Schluss hätte ich aber auch noch eine Bitte an die Patienten, bzw. deren Angehörige und/oder Betreuer:

  • Solche unzumutbaren Situationen dürfen Sie sich einfach nicht gefallen lassen.
  • Die Wahl der Versorgungsform ambulant betreute Wohn-gemeinschaft (egal ob Alten, Demenz – oder Intensiv WG) bedeutet Eigenverantwortung und ein Leben in Selbstbestimmung.
  • Sie treffen eine bewusste Entscheidung, weitgehend auf Regle-mentierungen und starre Vorschriften (wie z.B. dem Heimgesetz) zu verzichten.
  • Das bietet Chancen – birgt aber natürlich auch Risiken. Wie halt im richtigen Leben!
  • Sie wählen Ihren Pflegedienst. Mit diesem gestalten Sie die Versorgung.

Im Prinzip doch eine ganz einfache Gleichung:

Ist Ihr Pflegedienst gut, erhalten Sie die bestmögliche Versorgung.

Taugt er nichts – dann schmeißen Sie ihn bitteschön raus!

In diesem Sinne – Ihnen alles Gute und a liabs Griaßle

Ihr

Peter Wolthoff

 

 

PS: Hier noch der Link zur Sendung: http://www.mdr.de/fakt/Beatmung100.htm - Übrigens – alle Intensivpflegedienste die ich kenne, leisten hervorragende Arbeit. Warum berichtet eigentlich darüber niemand?

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